Warum ich ein wirklich sehr glücklicher Mann bin

Wie oft habe ich schon am Donnerstagabend vor dem Fernseher gesessen, mare TV gesehen und gedacht “Meine Güte, sind diese Menschen dort glücklich”. Doch heute ist mir wieder einmal klar geworden, dass ICH ein glücklicher Mann bin…

Sicher, Einiges könnte gefühlt besser laufen, und Probleme gibt es immer genug, wenn ich mich nur umschaue. Aber, hey, in Wirklichkeit ging es mir selten besser als in diesem Moment!

Natürlich, da sind die alten Sorgen, das liebe Geld, die Verantwortung für eine ganze Familie. “Kann ich meine viel zu geringen Rentenbeiträge auch morgen noch bezahlen? Wie sieht es mit der viel zu hohen Miete nächsten Monat aus? Wovon bezahle ich die Krankenversicherung der Kinder?” STOP! Ich bin ein glücklicher Mann, denn im Moment sorgt meine tüchtige Frau für einen großen Teil dieser Dinge.

Und dann die Gedanken an die berufliche Zukunft. Mann, da habe ich jahrelang gekeult wie ein Blöder, habe Projekte durchgezogen, als gäbe es kein Morgen mehr. Mir den Anus aufgerissen, manchmal bis zum Scheitel. Und immer wieder das Gefühl gehabt, das alles wäre für den Mors (wie man hier im Norden sagt). Und stimmt, oft war es das auf den ersten Blick. Meist haben andere davon profitiert. Doch, STOP! Jetzt bin ich seit fünf Monaten komplett selbstständig und Partner meiner eigenen kleinen Agentur. Und reiße, wenn überhaupt, nur noch für mich selbst und meine großartigen Partner.

Und dann die Sorgen, wie es mit der eigenen Agentur vorangeht. Ist ja nicht ganz ohne. Und die elende Kaltakquise. Wohin soll das bloß führen? Wie soll das gehen? Woher das Geld nehmen für die Gründung der Gesellschaft? Wird mich das irgendwann ernähren? Doch, STOP! Verdammt, wir haben in fünf Monaten acht (ja, ACHT!!!) Kunden gewonnen, machen konkrete Umsätze, schaffen erste tolle Referenzen, sind auf einem famosen Weg. Wozu also die Zweifel?

Und dann die ganzen großartigen Privilegien, die mir heute wieder einmal klar geworden sind: Ich habe viel zu tun, ja. Aber ich kann mir größtenteils aussuchen, wann ich es erledige. Nämlich dann, wenn es in mein tatsächlich auch stattfindendes Privatleben passt. Wenn ich es will, dann fange ich morgens um 7 Uhr an zu arbeiten. Und am Nachmittag – kann ich arbeiten, muss aber nicht. Da hole ich stattdessen lieber meine beiden bezaubernden Töchter von Schule und Kindergarten ab. Fahre mit ihnen zum Gitarrenunterricht. Staune über ihr Talent. Höre sie zuhause in ihrem Zimmer spielen, während ich arbeite. Staune über ihre Kreativität. Koche für sie ein Essen, das sie mögen. Staune über ihre Dankbarkeit und Freude. Bringe sie ins Bett und singe für sie. Liebe ihre Küsse und Umarmungen. Und denke so: STOP! Gibt es etwas Schöneres, Wichtigeres, das Du als Vater haben wolltest? Nein, gibt es nicht, gab es nie, wird es nie geben.

Und dann die müden Diskussionen mit der Frau, was und wie und warum und woher. Sorgen, die wir teilen. Und leider oft nicht teilen, sondern für uns tragen. Und dann doch wieder teilen müssen. Weil es uns ja zusammen angeht. Doch, STOP! Wenigstens kommen wir immer wieder ins Teilen. Merken, dass und wie wir es zusammen machen. Und richten uns aneinander auf. Gehen gemeinsam einen Weg, der manchmal schmal ist, aber eben unserer.

Immer dann, wenn mir all dies klar wird – und das ist zum Glück immer öfter – dann weiß ich, was für ein glücklicher Mann ich bin!

March 12 snow in Hamburg

 

Kreation und Media – wo hat der Frosch die Locken?

Ja, das wäre mal ein echter Kracher in der Branche! Wenn einfach jemand auf die Idee käme, Kreation und Media wieder zusammenzuführen. Ohne Rücksicht auf die Pfründe, die sich Mediaagenturen sukzessive seit 1972 gebastelt haben. Laut @ziesmannmedia hat damals Kai Hiemstra mit Gründung der HMS die bis heute gültige Trennung “verbrochen”. Und richtig, seitdem haben sich die Mediaagenturen als überaus kreativ erwiesen. Leider nicht immer nur in der Mediaplanung, sondern immer mehr in der “Umleitung” von Geldströmen ihrer Kunden in die eigene Tasche. Ich weiß, das ist ein bisschen sehr einfach dargestellt, aber im Kern steckt sicher Einiges an Wahrheit dahinter.

Nun frage ich mich, ob es nicht eine prima Idee wäre, das Ganze wieder einmal umzupflügen. Und Kreation und Media in einer Agentur zu verschmelzen. Ui und aua! Höre ich da die Investoren und Shareholder schreien. Wie jetzt? Die ganzen schönen, intransparenten Modelle der Verschleierung und Doppelt- bis Siebenfachschröpfung mit einem Schlag aufbrechen? Den Kunden wieder verstehen lassen, wo sein schönes Geld bleibt und warum? Plötzlich zu Gunsten sinnvoller Kommunikation mal wieder darüber nachdenken, wie und wo und auf welchem Kanal welche Idee am besten platziert wäre? Und zwar am besten, um die Kommunikationsaufgaben des Kunden zu erfüllen. Nicht am besten, um die größtmögliche Rendite zu erzielen. Geldflüsse abzugraben. Sich das fetteste und sahnereichste Stück vom Kuchen zu sichern.

Vielleicht ist das ein wirklich naiver Gedanke. Aber ganz ehrlich: Ich bin fest davon überzeugt, dass die Agentur, die genau das einfach und konsequent umsetzen würde, die erfolgreichste Agentur der nächsten Jahre oder Jahrzehnte wäre. (Na ja, wenn sie die Mediaplanung richtig machte. Und wirklich gute Kreation schaffte, dann aber wirklich!).

Tja, bleibt ein kleines Restproblem: Wer (oder welche Agentur) ist dazu in der Lage, richtig gute Kreation mit richtig guter Mediaplanung zu kombinieren? Wer traut sich das zu? Und wer hat den Mut, sich hier an vorderste Front zu begeben?

Lust hätte ich ja. Eine kreative Agentur habe ich kürzlich gegründet. Den Part nehme ich als möglich für mich in Anspruch. Aber den anderen, genau so wichtigen Part kann ich nicht bieten. Zumindest nicht guten Gewissens. Mal abgesehen davon, dass mir die finanziellen Mittel bzw. die (überraschend doch interessierten) Investoren im Rücken fehlen, um die verkrusteten Strukturen hierzulande herauszufordern.

Schade…

PS: Dieser Gedanke hat schon eine kleine, inspirierende Diskussion (bzw. eher Konsenssammlung) mit @ziesmannmedia und @ufomedia bei Twitter erzeugt. Wie immer!

PPS: Mich in Zukunft noch stärker mit Media zu befassen, ist als Ziel mal wieder gestärkt.

PPPS: Nur nebenbei: Die Kreativagenturen haben sich seit der Trennung auch nicht sehr mit Ruhm bekleckert. Der Mediapart u.a. auch als Korrektiv für absurde Ideen wäre für den einen oder anderen auch ganz heilsam…

Eine kleine Quartalsbilanz

Bildschirmfoto 2013-01-31 um 17.16.30Natürlich ist gerade kein Quartal zu Ende gegangen, sondern der erste Monat des Jahres. Aber für mich ist es doch ein Quartal, nämlich das erste Quartal in der neuen, selbst gegründeten Agentur – die ersten drei Monate MaschmannFautzHuff. Und das ist ein guter Anlass, einmal eine erste kleine Bilanz zu ziehen.

In diesen ersten drei Monaten ist naturgemäß viel passiert. Eine Agentur zu gründen, ist schließlich mit sehr vielen Baustellen verbunden: das Gründen nicht nur als Gedankenkonstrukt, sondern auch als Gesellschaft (noch nicht abgeschlossen, mitten in der Arbeit). Das Schaffen einer gemeinsamen Basis mit den Partnern (ist auf allerbestem Wege). Und neben ganz viel Kleinkram natürlich die alles entscheidende Frage nach dem Geschäft, nach den Kunden.

Und da sieht es eigentlich ganz gut aus, wie ich finde. In den ersten drei Monaten haben wir nunmehr sieben Kunden gewonnen, ein achter ist in Aussicht. Diese Kunden haben uns bisher 13 konkrete und bezahlte Projekte beschert, die ersten fünf sind schon bezahlt, sieben sind beauftragt, eins ist abgeschlossen, wird aber über künftiges Gegengeschäft geregelt, weitere vier Projekte sind in Aussicht. Und ein ganz großes strategisches Projekt mit einem wichtigen Kooperationspartner ist ebenfalls abgeschlossen und wurde schon in “Naturalien” sehr ordentlich vergütet, der zweite Teil dieser Naturalien erscheint am 13.2.13 in Form von Anzeigen.

Nun muss ich so ehrlich sein, zuzugeben, dass wir als Agentur vom bisherigen Umsatz noch nicht wirklich leben können. Aber ein sehr guter Anfang ist gemacht, die noch ausstehenden Projekte könnten uns ordentlich über den Frühling bringen.

In schieren Zahlen würde ich also schon mal ein sehr positives Fazit ziehen. Auch wenn ich keinerlei Vergleich habe. Denn diese Agentur ist die erste, die ich selbst gründe. Wer hier eigene Erfahrungen gemacht hat, ist herzlich eingeladen, mir seine Einschätzung zu geben!

Natürlich gibt es auch Rückschläge in diesem ersten Quartal, das will ich nicht verheimlichen. So ist offenbar im Moment an den lukrativsten Kunden auf unserer Liste kein Herankommen. Was wohl an unsauberem Spiel der alten Konkurrenz liegen mag, vielleicht aber auch einfach an menschlichen Dingen. Ebenso eine bittere Pille ist der Umstand, dass wir viele Referenzen, die wir uns – sowohl unabhängig voneinander als auch seit knapp sechs Jahren gemeinsam – hart erarbeitet haben, explizit nicht zeigen dürfen, ohne Ärger oder auch juristisches Ungemach zu riskieren. Wir starten also zurzeit praktisch von Null mit dem Aufbau von Cases.

Aber was wäre ein Start-Up, wenn alles nur glatt und ohne Reibungswärme ginge? Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf die kommenden Quartale. Und habe mich auf Hochs und Tiefs eingestellt, wobei ich sehr hoffe, dass erstere deutlich überwiegen. Ich denke, ich werde weiter an dieser Stelle darüber berichten…

Üble Nachrede

Sicher, wenn man sich geschäftlich voneinander trennt, dann geht das manchmal nicht mehr im Guten. Das kommt sehr darauf an, was vorher gelaufen ist und was überhaupt Anlass für die Trennung war. Jede Seite hat ihre subjektive Betrachtungsweise, oft fühlen sich beide Seiten im Recht, betrogen, belogen, als Gewinner, als Verlierer…

Doch eines sollte aus meiner Sicht bei einer solchen Trennung Standard und Common Sense sein – wer übel nachtritt, ist ein Kandidat für eine gelbe oder sogar rote Karte!

Lügen über den anderen zu verbreiten, tief zu schlagen, in dessen Post zu wühlen und zu schnüffeln, gemeinsame Kontakte anzurufen oder anzuschreiben, um den anderen in ein schlechtes oder ganz schlechtes oder sauschlechtes Licht zu rücken, das ist übel und hinterfotzig. Und aus meiner Sicht kein legitimes Mittel, selbst wenn es um den Kampf gegen einen nun plötzlichen neuen Konkurrenten geht.

Wenn diese üble Nachrede nicht nur ruchbar, sondern irgendwann beweisbar wird, birgt sie übrigens u.a. die Gefahr der wettbewerbsrechtlichen Abmahnung mit Option auf Schadenersatzforderung. Man sollte also tunlichst darauf achten, dass die widerliche Tour nicht auch noch irgendwo in Stein gemeißelt wird. Denn sonst kann sie ganz schnell zu einem überaus schmerzhaften Bumerang werden.

Abgesehen davon glaube ich an eine höhere Gerechtigkeit. Ob man es nun schlechtes Karma nennt oder die Rache am jüngsten Tag vermutet – wer mit miesen Tricks und ohne jeglichen Stil agiert, wird irgendwann selbst darunter zu leiden haben. Das hoffe ich zumindest, denn alles andere würde mich vom Leben bitter enttäuschen…

Eine fast vergebliche Suche nach Qualität

Letzte Nacht bin ich von einer knapp einwöchigen Reise nach Hause zurückgekehrt, die in Sachen Qualität fast zu einem vollständigen Desaster geworden wäre, und das kam so…

Etwa acht Jahre nach unserer Hochzeit stand zum ersten Mal wieder ein Kurzurlaub mit meiner Frau an, den ich nur mit ihr und ohne Kinder verbringen durfte, denn die Mädchen sollten eine Woche mit ihrer Großmutter auf dem Bauernhof verbringen. Und der liegt am Bodensee. Also erkoren wir uns als Ziel das nahe liegende Allgäu. Zum Wandern. Und um die gute bayerische Küche zu genießen. Knödel, Knödel, Knödel. Kartoffel-, Semmel-, Marillen-, Hefe- usw., wie ich in meiner grenzenlosen Naivität und ob meiner offenbar mangelnden Kenntnisse der regionalen Küche hoffte. Klar, Kässpatzen – auch gern. Und Wild, nicht ganz abwegig in dieser Jahreszeit. Viel wichtiger war dabei ja auch das Kriterium Qualität. Einfach ehrliche Küche, aus Tradition und mit guten Zutaten geboren.

Pustekuchen!

Egal, ob im 4-Sterne-Wellness-Hotel, auf der Almhütte, im Dorfgasthof oder wo sonst auch auf dem Weg: Überall traf ich nur auf den Ausdruck schlimmer Verkümmerung der kulinarischen Genüsse. Schnitzel vom Schwein mit Pommes ist so ziemlich überall das, was den Gastwirten einfällt, wenn sie über das Flaggschiff ihrer Speisekarte sinnieren.

Und da ist es mir wieder klar geworden: Wenn es eine gefühlte Höchstpreisgrenze gibt, die möglichst auf Discounter-Niveau liegt, muss man eben große Kompromisse eingehen. Denn leider werden viel zu oft die Attribute “viel” und “gut” verwechselt. Wahrscheinlich ist das zu einem großen Teil auch eine Generationensache. Für meine Großeltern war das wichtigste Kriterium für einen gelungenen Restaurantbesuch, dass sie nicht in der Lage waren, den Teller leer zu essen…

Und da schließt sich für mich der Kreis von diesem etwas abseitigen Beitrag zu meinem eigentlichen Thema: guter und sinnvoller Kommunikation. Werbung, die nicht nur lästig ist. Marke, die geführt wird – und zwar richtig.

Auch da ist nicht richtig, dass “viel” viel hilft. Auch da kommt es darauf an, dass die Zutaten richtig gewählt sind. Dass nicht auf das nächst liegende Einerlei gesetzt wird. Dass nicht das Ursprüngliche zu Gunsten des Billigen gestrichen werden muss.

Können wir einfach mal wieder Halt machen und nochmals darüber nachdenken, ob wir uns auch in Sachen Kommunikation immer weiter in Richtung Schnitzel/Pommes bewegen wollen? Damit unsere mittlerweile geschmacksneutralisierten Lederzungen nicht in ihrer Lethargie gestört werden?

Ich jedenfalls will wieder mehr Knödel sehen. Oder Birnen, Bohnen und Speck, je nachdem, wo ich gerade Kurzurlaub mache…

PS: Zum Glück konnte ich mich dann doch noch aus der Schnitzelfalle befreien. Ich musste nur die Grenze zu Österreich überschreiten, um eines der köstlichsten Wildgerichte mit den passenden Beilagen zu finden: Knödeln

Griechenland zerstört seinen Individualhandel – und wir helfen kräftig mit!

Screenshot von Lidl Hellas, der auffällige Button unten rechts sagt: immer billig!

Vor einiger Zeit wurde ich im griechischen Urlaubsort in einer Runde aus Freunden und Bekannten gefragt, ob ich lieber bei Aldi oder Lidl einkaufe. Beide breiten sich zunehmend in Griechenland aus und übernehmen immer größere Teile des Handels auch in der Provinz. Mein wütender und heftiger Monolog darauf war hoffentlich ein kleines Stückchen Anregung für die Anwesenden, wenigstens noch einmal kurz nachzudenken, bevor sie das nächste Mal in eines der genannten Geschäfte eintreten…

Was in unseren Breitengraden schon vor Jahren weitgehend fortgeschritten war, ist in Griechenland eine ganz aktuelle Entwicklung: der heimtückische Meuchelmord am kleinen, spezialisierten Individualhandel durch die wenigen Großen, die sich krebsartig durch die Infrastruktur hindurchfressen, immer auf der Suche nach noch mehr Kunden, denen sie noch mehr schlechte Produkte zu unrealistischen Preisen aufzwingen können. Diese Geschwüre der Gesellschaft klatschen billige, dreckige und hässliche, überbeleuchtete und überklimatisierte Konsumtempel in die Landschaft, auf dass sie darin ein riesiges Sortiment an Produkten vorhalten, von denen der Kunde künftig glaubt, sie einkaufen zu müssen. Zeug, das nicht aus der jeweiligen Region stammt. Das unter unwürdigsten Verhältnissen produziert wurde. Egal, ob in einem Sweatshop in Bangladesch oder in einer Massentötungsmaschine der Fleischindustrie. Zeug, das vor Inhaltsstoffen nur so strotzt, die kaum jemand noch identifizieren, geschweige denn in ihrer verhehrenden Wirkung klassifizieren kann. Und nicht zuletzt Zeug, das mit hohem Aufwand aus Westeuropa importiert wird, um regionale Produkte zu unterbieten. Ha, bayerischer Joghurt in Griechenland!

Und das Ganze immer noch ein Stück billiger. Mit 25% Rabatt. Oder 30%. Oder 100g mehr gratis. Und ständig im Sonderangebot. Aus der Werbung. Jetzt oder nie!

Dort gehen die Menschen hin, dort kaufen sie ein. In dem Glauben, dass sie ständig ein Schnäppchen nach dem anderen machen. Und somit die Gewinner sind, die Schlauen, Cleveren, denen kein regionaler Kleinkrämer mehr etwas vormachen kann in seiner unverschämten Preisgestaltung! Sie genießen die vollen Regale, die ihnen all das bieten, das sie sich sonst mühsam in verschiedenen kleinen Geschäften zusammen gesucht haben. Hier ist alles zum Greifen nah. Jederzeit und im Überfluss.

Doch verkennen die Menschen, was sie sich selbst und allen anderen antun. Sie berauben sich der Vielfalt. Sie begeben sich in eine Art Geiselhaft, aus der sie nie wieder entfliehen können. Denn der Individualhandel stirbt. Einen grausamen Tod. Und der ist längst nicht mehr aufzuhalten. Und plötzlich merkt man, dass es den netten Gemüsefritzen um die Ecke, der morgens um 4 Uhr auf dem Feld stand, um die beste Ware für seine Kunden zu ernten, einfach nicht mehr gibt. Den brummigen Bäcker, der ab 6 Uhr morgens noch warme Brötchen in seine Auslage geschüttet hat. Den Schlachter, der den Bauernhof seines Vertrauens, von dem das Schweineschnitzel stammte, noch benennen konnte. Alle weg, überrollt von den Großen, denen es scheißegal ist, was sie wem verkaufen. Hauptsache, der Euro rollt.

So weit, so bekannt. Eigentlich ein alter Hut. Aber bitter dennoch, wenn man diese Entwicklung noch einmal live miterleben darf bzw. muss. Und in die begeisterten Gesichter der Menschen schaut, die sich ihre gewachsene Infrastruktur unter lautem Applaus einfach zerstören lassen.

Und die sich morgen und übermorgen plötzlich umschauen und feststellen, dass nicht nur die schlechten Waren billig sind, sondern auch die prekären Arbeitsplätze, die im Billighandel verfügbar sind. Und in die sie ihre Kinder schicken müssen, weil in ihrer Verantwortung und mit ihrem aktiven Zutun ein großer Teil der würdigen Jobs mit zerstört wurde!

Runterkommen. Auf die Erde. Auf Kommando!

My personal place of power

Wie soll das gehen? Mal eben herunterkommen von dem ganzen Stress der letzten Monate. Mal eben ganz, ganz tief entspannen. Einfach abschalten, den ganzen Mist hinter sich lassen. Und ab sofort den Urlaub genießen. Ist doch toll hier! Wetter stimmt. Wasser stimmt. Alles stimmt! Nur eins irgendwie nicht: ich selbst. Nicht so einfach. Nicht so mal eben. So einfach kommt man (komme ich) nicht runter und kann vollständig entspannen. Und da merkt man es dann wieder: Der Preis der Selbstständigkeit ist doch nicht zu unterschätzen! Denn als Selbstständiger muss man sich diese Urlaubszeit doch ziemlich abknapsen. Von der Beschäftigung. Von den Rücklagen. Teuer, teuer, wenn man neben den Reisekosten auch noch den Verdienstausfall tragen muss. Und wenn dann die Frau auch noch Freiberuflerin ist. Ui, schon kostet der Urlaub ein paar Tausende, einige Tausende, viele Tausende. Und wehe, man (ich) verpasst den nächsten lukrativen Auftrag. Oder den Anschluss. An was auch immer. Und dann schaut man seinen Kindern in die Augen und merkt, wie krank man (ich) unterwegs ist. MANN, scheiß doch mal auf die Arbeit. Und komm endlich mal runter!!!

Vom Mount Everest in den Marianengraben – und wieder rauf…

Manche Tage haben es wirklich in sich. Da fängst Du nichts ahnend ganz von oben an, voller Elan, mit Lust und Laune, um den Gipfel des Mount Everest zu stürmen. Und dann plötzlich kommt er, der Gipfel. Und entpuppt sich als der krude Gipfel der Unverschämtheit… Da kommt doch einfach jemand um die Ecke und reißt Dich mit seiner Unverfrorenheit in den tiefen Keller des Marianengrabens. Lässt Dich den Druck da unten spüren. Dich völlig im ewigen Dunkel dort stehen. Und haut Dir noch mit Anlauf vor die Brust, auf dass Du nach Luft ringen willst. Nur, dass da keine ist, wo Du gerade bist.

Und dann kommt die Mittagspause. Und Du triffst einen Menschen, der Dich wieder hoch zieht. Mit seiner völlig uneitlen Art. Und mit mal eben so rausgehauenen Einsichten mit Tiefgang, dass Du Auftrieb bekommst, der bis in große Höhe reicht. Jemand, der auf Augenhöhe mit Dir mit geht, Dir einfach gut tut.

Und dann gehst Du wieder an Deinen Weideplatz der letzten Jahre und merkst, das Gras dort ist mächtig trocken geworden. Und an Dir zerren Kräfte, die Dich ganz nach unten mitnehmen wollen. Tief. Tief.

Und am Ende triffst Du doch wieder einen, der es richtig meint. Der für den Aufstieg ist. Mit Dir zusammen. Und Dich dabei stützt. Weil er von Dir gestützt werden will.

Dann sagst Du Dir: Hui, eine Achterbahn ist Kindergeburtstag dagegen…

Traurig und gut für ein bisschen Wut!

Seit 1995 arbeite ich nebenberuflich als Dozent an einer privaten Akademie für Kommunikationsdesign. Und seit 1995 mache ich das extrem gern, weil es mein Berufsleben sehr bereichert!

Natürlich: In all den Jahren habe ich auch eine Menge an Studenten in meinen Kursen gehabt, die mich innerlich oder sogar äußerlich haben die Augen verdrehen lassen. Aber es waren immer auch Studenten dabei, die Spaß gemacht haben. Weil sie neugierig waren. Weil sie etwas lernen wollten. Dafür etwas investieren wollten, Zeit, Hirnschmalz, Fleiß und Neugierde. Und das waren dann die, die ich gespannt beobachtet habe. In denen ich die Zukunft meiner Branche gesehen habe. Die Veränderungen in dieser. Oft die Verbesserungen.

Im Gegenzug haben mich all meine unzähligen Unterrichtsstunden nicht nur immer wieder gefordert, hellwach zu sein, schnell zu denken und spontan kompetent zu reagieren. Sie haben mich außerdem gelehrt, wie es ist, ständig “an Bord” sein zu müssen, auf Anforderungen zu reagieren, die manchmal plötzlich und aus heiterem Himmel auf einen herunterregnen. Und sie haben mich gelehrt, keinen Blödsinn zu erzählen, denn die Verantwortung für weitergegebenen und qua meiner Position mir geglaubtem Blödsinn wollte ich nie übernehmen.

So weit, so gut. So eine Art Liebesbeziehung zu einer wunderbaren Nebentätigkeit also…

Nur jetzt, nach nunmehr 17 Jahren, gibt es Anlass, ein bisschen wütend zu sein. In jedem Fall aber ziemlich traurig. Denn es scheint so zu sein, dass in diesem Jahr endgültig nicht mehr genügend Studenten zusammen kommen, um ein neues Semester zu bilden, das ich unterrichten könnte. Ach, schade das…

Und ärgerlich – jetzt kommt langsam der wütendere Teil – denn so weit hätte es nicht kommen müssen. Denn die schlechten Zahlen liegen mit Sicherheit nicht am grundsätzlichen Unterrichtskonzept. Sicher auch nicht am Dozentenkollegium. Aber ganz, ganz sicher an jahrelangem Missmanagement! So stellt es sich zumindest für mich dar. Über Jahre hat nur der spitze Bleistift regiert, der in erster Linie rot durch die Akademie strich und überall dort Unheil anrichtete, wo Inspiration und Kreativität wichtiger gewesen wäre als krude Quartalszahlen. Aber wer ist ernsthaft überrascht, wenn ein Laden, der wie ein uninspiriertes Einzelhandelsunternehmen, sprich kleinkrämerisch, geführt wird, nicht mehr im Mindset derer zu verankern ist, die antreten, um morgen die kreativen Kommunikationsarbeiter zu sein, die den Ton angeben in einer Branche, die tunlichst dafür sorgen sollte, sich künftig wieder stärker vom Regiment der eindimensionalen Zahlenreiter zu emanzipieren?

Schade – und jetzt kommt wieder der eher traurige Teil – ich hätte sehr gern noch etwas länger an der Ausbildung derjenigen mitgeschraubt, die morgen und übermorgen dafür sorgen sollen, dass meine Branche wieder ganz weit vorn mitspielt. Aber es sieht momentan nicht so aus, als würde es einfach weitergehen können…

Dieser Tag wird großartig!

Nein, der Tag fing nicht nur gut an. Im Gegenteil: hektisierende Kunden mit absurden Anliegen, mal wieder. Aber: Heute lasse ich mir die Laune nicht vermiesen. Nein!

Denn heute scheint die Sonne, es ist angenehm warm. Ich bin einigermaßen ausgeschlafen, und vor mir steht ein Wochenende mit Aussicht auf Ruhe und Gemächlichkeit. Eigentlich sollte ich an meiner Steuererklärung arbeiten. Aber nein, ich lasse mir die Laune nicht versauen!

Außerdem werde ich heute Abend mit meiner Frau das Fußballspiel Deutschland – Griechenland anschauen. Und wenn Deutschland gewinnt, wird sie sich mit mir freuen. Und wenn Griechenland gewinnt, werde ich mich mit ihr freuen. Hach, das wird herrlich und eine Freude!

Richtig gute Laune habe ich aber bei dem Gedanken an meine Mittagspause, die heute ungewöhnlich lang ausfallen wird. Denn heute treffe ich zum Mittagessen eine Frau, die ich überaus bewundere. Die etwas geschafft hat und geschaffen hat, was nicht nur großartig ist, sondern zu meinen ganz besonderen Lieblingen zählt. Eine Frau, die trotz ihres großen Erfolges derartig bewundernswert auf dem Boden geblieben ist, dass ich sie nur in den höchsten Tönen loben kann.

Dieser Tag wird wirklich großartig!