Grüße aus Absurdistan!

Wenn man wie ich nun schon seit 17 Jahren in so ziemlich ein und derselben Branche unterwegs ist, hat man schon eine Menge erlebt. Eine Menge Komisches und Merkwürdiges. Blödsinniges und völlig Unlogisches. Blauäugiges und Unverschämtes. Aber, siehe da: Es gibt doch immer noch Potenzial für Überraschung aus dem schönen Lande Absurdistan!

So zum Beispiel heute gerade wieder. Wie jeder auch nur halbwegs Interessierte an dem Thema wissen sollte, gibt es in unterschiedlichen Medien auch unterschiedliche Farbmodelle, subtraktive und additive, z.B. CMYK und RGB. Für die, die es nicht wissen: CMYK ist das gängige Modell für Printproduktion, RGB das Modell für den digitalen Bereich. Und diese beiden schließen sich nun einmal aus! Es gibt keinen funktionierenden Offsetdruck, der RGB-Daten nutzt. Und es gibt keine verbindliche Bildschirmanzeige auf Basis von CMYK-Daten! Wenn man von dem einen Modell zum anderen wechseln muss, weil man das Medium wechselt, bedeutet dies eine Umwandlung, die z.B. Bildprogramme nach bestimmten genormten Parametern vornehmen.

Nun, wenn man das nicht weiß – so wie ich vor 17 Jahren – dann ist das ja nicht schlimm. Man kann das ja erfragen, bei Wikipedia mal nachlesen, sich erklären lassen. Schlimm wird es erst, wenn sich vollständige Ahnungslosigkeit mit Sturheit, Verbohrtheit, Penetranz paart, um Menschen auf den Sack zu gehen, die gerade versuchen, etwas auf die Beine zu stellen!

RGB-Daten sehen am Bildschirm anders aus als CMYK-Daten. Punkt.

Nun habe ich aber heute einen Abstimmungspartner für eine Online-Grafik, der darauf besteht, zwecks Einhaltung der Farbverbindlichkeit doch bitte ausschließlich die CMYK-Daten zu benutzen. Der darauf folgende Dialog ist in etwa wie an einer Tankstelle mit Service:

„Bitte einmal Super volltanken.“ „Aber Ihr Wagen ist ein Diesel…“ Ja, und ich hätte gern einmal Super, bitte. Tanken Sie ruhig voll.“ „Aber mit Super wird Ihr Wagen nicht lange fahren können.“ „Aber mein Chef hat gesagt, dass ich ausschließlich Super tanken soll. Dann möchte ich bitte auch Super, sonst bekomme ich Ärger. Bitte tanken Sie voll.“ „Aber meinen Sie, Ihr Chef wird fröhlich sein, wenn Sie mit einem Motorschaden zurückkommen?“ „Das ist mir völlig egal, ich will Super!!!“

Jetzt kann man sich als Tankwart überlegen, ob man die Dreckskiste bis unters Dach mit Diesel vollschlaucht. Oder ob man sich weigert, den Tank zu füllen.

Was würdest Du als Tankwart machen?

Immer Tagesgeschäft dazwischen…

Seit Tagen, fast schon Wochen, will ich endlich wieder dazu kommen, an dieser Stelle meine Gedanken aufzuschreiben. Zu allem Möglichen, Unmöglichen…

Zum Beispiel dazu, wie es um mein neues Projekt steht. Oder an welchen aktuellen Projekten ich gerade arbeite und welche Erfahrungen ich dabei mal wieder so mache.

Aber, verflixt, ständig brennt der Schuh. Andauernd habe ich einen Kunden am Telefon. Der eine Antwort braucht. Daten. Einen KVA. Jetzt. Jetzt!

Oder einen Kollegen, der vor meinem Schreibtisch steht und ein Problem gelöst haben will. Jetzt. Jetzt!

Oder einen Diensleister, der… na ja, klar, wie es weitergeht…

Und darum komme ich noch nicht einmal dazu, meine Twitter-Timeline so zu verfolgen, wie ich es gern täte. Google+ hat bei mir wohl schon eine zentimeterdicke Staubschicht. Mal abgesehen von den lächerlich wenigen Leuten in meinen Kreisen…

Als Einziges bin ich kürzlich mal dazu gekommen, ein bisschen mit Pinterest zu experimentieren. Dort habe ich einfach mal meine Zeugnisse und einige Referenzen eingestellt. Wer sich das mal anschauen mag, nur zu: http://pinterest.com/mmaschmann/

Einen ernsthaften Blog-Eintrag mit Gehalt zu erstellen, davon kann zurzeit gar keine Rede sein. Also muss ich mich wohl darauf beschränken, hier ein bisschen herumzujammern, kleine Textfetzen zu senden und mich ansonsten auf das Tagesgeschäft zu konzentrieren.

Schließlich will das erledigt sein und sorgt ja auch für das täglich Brot meiner Familie. Und Jammern würde ich wohl noch viel lauter, gäbe es das Tagesgeschäft nicht. Oder nur unzureichend.

Wenn ich aber dabei völlig aus dem Blick verlieren sollte, was eigentlich wirklich wichtig ist, weil ich nur das Dringende vor Augen habe, bitte ich ganz herzlich um ein kurzes, energisches Antippen. Damit ich mich nicht verliere und an den wirklich wichtigen Dingen zu schrauben aufhöre. Würdest Du das tun? Danke!

Die Geburt einer Marke erleben…

Einmal ganz von Anfang an dabei sein zu können, bei der Geburt einer neuen Marke, das ist für einen Markenberater naturgemäß das Größte! Und wenn dann sorgfältige Vorbereitung, sensible und kundige Unterstützung sowie ein sorgsamer Rundumblick irgendwann beginnen, sich zu einem klar umrissenen Bild zu formen und erste Früchte zu tragen, dann ist der Markenberater im Glück.

Doch was gehört eigentlich dazu? Zunächst mal eine kleine Portion Glück in Form einer geeigneten Basis und günstiger Rahmenbedingungen. Und ein Blick für eben diese. Denn ohne diesen Blick verpasst man eventuell Chancen, die einen wirklich weiter gebracht hätten.

Und dann folgt der Schweiß. In der Regel jedoch der glückliche. Erstmal bei der Entwicklung wirklich substanzieller Produkte/Dienstleistungen. Ein schlechtes Produkt ist nach meiner Überzeugung die denkbar schlechteste Basis für eine Marke, die zu wahrem Leben erweckt werden kann. Ein gutes Produkt hingegen trägt wenigstens das Potenzial in sich. Stimmt erst einmal das Produkt, werden die nächsten Schritte viel, viel leichter von der Hand gehen. Und das ist ein ganz guter Indikator – wenn auch kein verlässlicher.

Was folgt ist die ganze, feine weitere Klaviatur des Marketings. Eine saubere Positionierung muss her, die geeignet ist, zu differenzieren und die geeignet ist, auch schlüssig kommuniziert zu werden. Und relevant ist. Die Distribution will intelligent durchdacht sein. Die Märkte, auf denen Bedarf herrscht (oder erzeugt werden kann), müssen erkannt und im Detail betrachtet werden. Strukturiert. Zielgruppen identifiziert. Natürlich auch die Wettbewerber mit ihren Strategien und Potenzialen – Gefahren und Chancen.

Dann wird ein Name benötigt. Der weltbeste Name! Den es gilt, zum weltbesten Logo zu formen. Mit dem weltbesten Claim (wenn es denn Sinn ergibt).

Und während sich diese Bausteine alle fröhlich in Reih und Glied sortieren, an manifesten Dingen spürbar, erfahrbar, sichtbar (vielleicht hörbar, schmeckbar, riechbar?) wird, dann freut sich wieder das Beraterherz. Die erste Visitenkarte in der Hand zu halten, das Material zu spüren. Wobei die „Visitenkarte“ stellvertretend ist für Website, Design-Guideline, Muster, Textproben, wasweißich… Ich glaube, es ist klar, worum es mir geht. Auch ohne den Anspruch auf eine vollständige Liste der Einzelschritte, oder?

Dieser ganze lange Weg (wobei lang durchaus relativ sein kann) ist das, was in einer Tiefe befriedigend wirkt, die in Projekten, bei denen nur an Einzelschritten geschraubt wird, aber nicht das große Ganze auf dem Tapet liegt, wohl kaum zu erzielen ist.

Und wenn man sich dann auch noch darauf besinnen kann, dass man nicht nur der Berater, sondern auch der Kunde selbst ist, dann… Ja, was passiert eigentlich dann?

Smile with me…

Einer Marke zu voller Blüte zu verhelfen - das ist ein Quell tiefster Zufriedenheit.

„The Pitch“

Heute habe ich mit offen stehendem Mund die vollständige erste Folge von „The Pitch“ gesehen. Gemeint ist die neue Doku-Soap von den Machern von Mad Men. Und der Mund stand offen, weil es erstens sehr spannend war. Und zweitens wirklich heftig. Zu Gute halten will ich der Show, dass sie offenkundig um Authentizität bemüht ist. Billiges Boulevard-Effekt-Geheische, wie wir es hierzulande von den verhassten Privatsendern als satt machenden Fraß vorgeworfen bekommen, konnte ich dort nicht entdecken.

Aber, puh, was für eine heftige Mühle, die sich dort zwischen zwei Agenturen abspielte. Die Entwicklung einer Big Idea für eine Kampagne in gerade einmal sechs Tagen als Aufgabe hat schon bei mir als Betrachter Schweißausbrüche und den Beginn leichter Panikattacken erzeugt.

Ich muss zugeben, dass ich es hochspannend fand, wie die beiden Agenturen mit der Aufgabe umgegangen sind. Alles andere als Kindergeburtstag. Und doch völlig verschieden. Auf der einen Seite die Eisenfresser, mit denen und für die ich mir vorgenommen habe, sicher nie wieder zu arbeiten. Und auf der anderen Seite ebenso willige und zielstrebige Leute. Aber mit einer vollständig geerdeten und entspannten Grundhaltung.

Nachdem sich um mich herum in der letzten Zeit auch ein recht mächtiges Pitch-Karussell gedreht hat, war ich jedenfalls beeindruckt, wie die beiden Gegner mit der Aufgabe umgegangen sind. Das Ergebnis war jedoch für mich überraschend. ACHTUNG, SPOILER! Gewonnen haben die Eisenfresser. Mit der schwächeren Idee. Mit der schwächeren Präsentation. Zumindest aus meiner völlig subjektiven Perspektive heraus…

Schuster, bleib bei deinen Leisten!

Wie kommt es eigentlich, dass ausgerechnet im Umfeld von Marketing und Werbung so viele Menschen denken, sie müssten und sie wüssten? Meine Güte, in Sachen Atomphysik oder Molekularküche kommt doch auch nicht alle Nas‘ lang jemand, der einer alten Henne das Eierlegen beibringen will!

Liegt es nun daran, dass Marketing und Werbung ein so schwammiges Feld sind, in dem sich trefflich herumschwurbeln lässt? Liegt es daran, dass sich so viele halb oder auch weniger Fachgebildete in diesem Dunstkreis tummeln?

Ich glaube, es sind mehrere ungünstige Faktoren, die hier zusammentreffen:

1. Ja, ein Problem liegt sicher im Können und Wissen. Wer BWL studiert hat, hat sich damit längst keine Qualifikation in der Beurteilung von Kreation erworben. Er kann sicher eine Grenzkostenbetrachtung rund um sein Produkt betreiben, er weiß um die vier P’s, aus denen sich das Marketing zusammensetzt. Aber er weiß nicht, was eine knackige Positionierung, eine griffige Kernaussage oder eine wirklich kreative Idee ist. Jedenfalls nicht qua seines Studiums.

2. Ein weiteres Problem liegt in einer oft verblüffenden Selbstüberschätzung. Diese mag auch davon getrieben sein, dass auf Kundenseite in der Regel automatisch eine Machtposition besteht, die ja auch durchaus ihre Berechtigung hat. Wer die Show bezahlt, darf auch entscheiden, was auf der Bühne gegeben wird. Doch das heißt nicht zwingend, dass man auch in der Lage ist, Texte zu beurteilen. Denn nein, die Fähigkeit, Buchstaben in eine Reihenfolge zu bringen, die einen inhaltlichen Sinn ergeben, ist nicht die Fähigkeit zu texten. Dazu gehört mehr: Talent, Kreativität, Erfahrung, Arbeit! Und ein paar Augen, die in der Lage sind, einigermaßen klar zu fokussieren und Bilder zu erkennen, sind keine ausreichende Qualifikation, um Gestaltung in ihrer Güte und Logik zu beurteilen, schon gar nicht, sie durch Veränderung zu verbessern! Das gelingt höchstens durch blinde Zufallstreffer.

Deshalb plädiere ich dafür, einfach mal jeden seinen Job machen zu lassen und a priori anzunehmen, dass der jeweilige Profi es besser kann als der Laie. Wenn ich einen knackigen Text haben möchte, betraue ich damit einen Texter. Und wenn ich im Nachhinein glaube, es besser zu können und deshalb an den Texten laienhaft herumschraube, mache ich etwas falsch! Egal, ob ich die Zeche bezahle.

Das heißt nicht, dass Kunden künftig die Ergebnisse, die ihre Agenturen für sie erarbeitet haben, unterwürfig hinnehmen sollen – das wäre ein Trugschluss. Aber Kunden sollten sich darauf konzentrieren, sich nicht an den Details abzuarbeiten, die sie eh nicht besser können, sondern lieber an dem großen Ganzen. Also auch fernab von ihrem persönlichen Geschmack…

PS: Der o.g. Kunde ist übrigens wahlweise auch gern durch einen Kontakter/Berater zu ersetzen…

PPS: Und im Umkehrschluss stehe ich auch nicht darauf, wenn ein Kreativer dem Kunden/Berater etwas über seine Produktpolitik erzählen möchte…

Froschperspektive

Immer wieder wird bei Kundenkorrekturen gern das Argument eingesetzt, dass ja auch die Dummen wirklich die Botschaft verstehen müssen. Abgesehen davon, dass diese Aussage an sich schon riskant ist – siehe Schleckers Shitbrise in Sachen neuer Slogan – halte ich es auch für falsch, die Klugen unter den Kunden ständig mit platten Holzhammerbotschaften zu brüskieren.

Wer ständig Botschaften sendet, die über das Niveau der Bild Zeitung nicht hinauskommen, begibt sich auf Dauer mit seiner Marke auf eben dieses Niveau herab. Und wundert sich dann, wenn von dort unten nur noch eine Froschperspektive eingenommen werden kann.

Wer seiner Marke auf Dauer Strahlkraft verleihen will, orientiert sich vielmehr am oberen Ende der Niveauspanne. Und nimmt so eine Vorbildfunktion ein, statt sich seinen Kunden anzubiedern, sie im Zweifel sogar zu ärgern.

Denn wer ständig von unten schauen muss, wo es langgeht, bekommt auf Dauer Nackenschmerzen.

Pfffff wie Pitcheritis…

Heute habe ich den Ausgang einer weiteren üblen Form des Morbus Pitcheritis erleben dürfen. Und wie so oft war es eine eindrucksvolle Beweiskette dafür, dass kluge Menschen wie Mirko Kaminski (“Liebes Unternehmen X, da mache ich nicht mit”) oder auch Stefan Zschaler mit seinem letzten Blogbeitrag zur Pitcherei einfach uneingeschränkt Recht haben!

Wenn ein Kunde mit einem Briefing ankommt, das in seinem Inhalt jeder Minute der langjährigen Erfahrung mit diesem Kunden widerspricht…

Wenn der Kunde ohne ersichtlichen Grund nur zwei karge Wochen Zeit gibt für die Ausarbeitung eines ganzheitlichen Kommunikationskonzeptes…

Wenn für Gestaltung nur ein einziges Artwork geliefert wird, das noch dazu 1. ungeeignet ist und 2. nur bis 6 Monate vor Kampagnenstart verwendet werden darf…

Wenn der Pitch “aus Prinzip” mal wieder unbezahlt ist…

Wenn man aus den letzten Pitch-Erfahrungen eigentlich schon weiß, dass es wieder nicht gutgehen wird, weil der Pitch nicht fair abläuft…

Wenn man dann im Gespräch mit dem Kunden die Zweifel äußert und er mit großen Versprechungen und reichlich Bart um den Honig (?) diese zerstreut und geradezu darum bittet, doch an dem Pitch teilzunehmen…

DANN, VERDAMMT NOCH MAL, SOLLTE MAN ENDLICH MAL DIE EIER HABEN, SO EINEN SCHEISSPITCH ABZUSAGEN!!!

Denn sonst hört man im Nachhinein wieder nur das ewige Rumgesülze. Im schlimmsten Fall hanebüchene Ausreden (“irgendwie hätten wir uns ein paar slicke Layouts und einen wirklich griffigen Claim erwartet”, nachdem im Briefing ausdrücklich nur Konzept gefragt ist, nachdem im Nachfragegespräch ausdrücklich gesagt wird, dass natürlich keine Layouts und Texte erwartet werden, schließlich gäbe es ja auch keinerlei Material).

Dann hört man, dass “irgendwie die Klammer für das Ganze fehlte”, obwohl in der Präsentation die Klammer, die durch alle Kanäle hindurch durchdekliniert ist, das Element ist, das am weitesten im Vordergrund steht und sogar die äußere Form der Präsentation bestimmt hat.

Und dann ärgert man sich unendlich über die eigene Blödheit, doch wieder mal auf diesen ganzen großen Scheiß hereingefallen zu sein.

So wie ich heute…

Wenigstens kann ich noch sagen, ich hätte es ja von Beginn an gesagt und deshalb auch von Beginn an empfohlen, gar nicht erst anzutreten. Aber diese Entscheidung lag leider nicht bei mir. Nur die Arbeit, die habe ich gemacht. Ein toller Trost also.

Und was lerne ich daraus? Weitermachen, alles geben und daran arbeiten, dass die Entscheidung künftig eben doch bei mir liegt. Dann werde ich vom Morbus Pitcheritis ein für alle Mal geheilt sein…

Einfach mal machen, nicht lange planen!

Kürzlich habe ich von Freitagmittag bis Montagabend mit einem neuen Partner zusammen ein erstes Pilotprojekt “Ganzheitliche Marketingberatung” für einen kleinen, aber sehr interessanten Kunden durchgeführt. Ohne große Planung, ohne uns vorher über unseren gemeinsamen Auftritt, unsere Geschäftsausstattung, unsere Website, unsere Firmierung usw. Gedanken zu machen. Also einfach mal machen!

Und das hat ganz famos funktioniert. Die Zusammenarbeit war prima. Die Präsentation war prima. Der Kunde war sehr zufrieden. Auf einer Skala von 0 bis 10 hat er uns mit einer 10 bewertet. Mit einer ZEHN!!! Spontan hat er unsere Professionalität mit der von McKinsey-Beratern verglichen (war das jetzt gut oder nicht?). Und danach hat er sich hochmotiviert an die Umsetzung unserer Ergebnisse gemacht.

Und was habe ich daraus gelernt? Erstens, dass man ganz viel lernen kann, wenn man einfach mal macht. Zweitens, dass man viel effizienter unterwegs ist, wenn man einfach mal macht. Und drittens, dass sich daraus durchaus ein drittes Standbein für mich entwickeln könnte. Wenn ich einfach mal mache!

Reload Zeit-Management

In letzter Zeit ist mir klar geworden, dass mein bisheriges Zeit-Management wohl beginnt, nicht mehr zu meinen Interessen zu passen. Nun ja, zumindest in Teilen…

Morgens wollen zuerst die Kinder versorgt und sicher in den Kindergarten gebracht werden. Dann folgt das Tagesgeschäft der Agentur. Nebenbei Pitch-Präsentationen, momentan en gros. Dann noch die eigenen Projekte auf die Reihe bekommen. Akquise? Pfff! Ach ja, die Dozententätigkeit. Unterricht vorbereiten, möglichst gut, damit der Unterricht auch fruchtet, weil er beiden Seiten Spaß bereitet (na ja, hoffentlich…). Zum Glück sind es nur wenige Stunden im Monat.

Und dann kommt noch der Wunsch, mehr Standbeine zu bauen. Nicht von einem oder zweien abhängig sein. Für Abwechslung sorgen. Und natürlich für Sicherheit. Für die Familie, siehe oben. Ansätze gibt es ja. Aber die Zeit fehlt permanent.

Und dann wollen die Social Media Kanäle beobachtet, ausprobiert und gepflegt werden. Maschis Testblog, bitte in Zukunft ein bisschen regelmäßiger. Und vielleicht auch mit einem Thema statt Kraut und Rüben an Gedankensalat.

Facebook? Ist für mich in erster Linie eine Plattform, um Kontakt zu halten. Zu Freunden und Verwandten, insbesondere zu denen, die weit weg sind und die ich nicht oft genug sehe. Dafür finde ich Facebook ganz wunderbar. Aber deswegen komme ich nicht auf die Idee, mich nun auf Teufel komm raus mit allen und jedem zu “befreunden”. Meine beruflichen Kontakte haben da eigentlich nichts zu suchen.

Google+? Zu Beginn gefiel mir ziemlich gut, was ich sah. Besonders die Möglichkeit, dort auch deutlich längere und “buntere” Beiträge zu posten/zu finden. Und das “Einkreisen” erschien mir von Anfang an sinnvoller gelöst als auf anderen Plattformen. Doch trotz nur wirklich, wirklich weniger von mir Eingekreister merke ich immer wieder, dass Google+ mein Zeit-Management regelmäßig sprengt. Und das ist wirklich schade, denn mit unruhigem Überfliegen werde ich einfach vielen Beiträgen, die mich wirklich interessieren, nicht gerecht. Zur sogenannten Gauck-Debatte hätte ich z.B. gern und wirklich aufmerksam alles Mögliche an zum Teil wirklich tief schürfenden Beiträgen gelesen. Den von @Breitenbach mühsam erarbeiteten Podcast habe ich gar nicht erst versucht, mir anzuschauen. Denn mir fehlt einfach die Zeit. Schade! Und das Video zum Thema “Was ist Social Media” in zwei Teilen habe ich nur zu einem Teil schauen können, weil ich ansonsten mit dem Baden, Füttern und Zubettbringen der Kinder zugebracht habe. Bevor ich noch ein paar Mails abarbeite und über die Pitch-Präsentation am Donnerstag nachdenke. Mist!

Twitter? Ja, das ist genau meine Plattform. 140 Zeichen – damit kann ich auch tagsüber immer wieder umgehen, indem ich meine Timeline nach Interessantem durchpflüge.

Und das Youtube-Format “Auf ein Wort vor dem Regal” von @Mirko Kaminski ist aus meiner Sicht ein ebenso gutes Beispiel für verdichtete Botschaften. Die paar Minuten schaue ich mir aufmerksam an.

In der nächsten Zeit nehme ich mir also vor, mir nicht so wahnsinnig viel vorzunehmen. Und vielleicht ein bisschen an den Stellschrauben meines Time-Managements zu drehen, um mich mehr auf die Dinge zu konzentrieren, die mich wirklich interessieren. Social Media gehört sicher dazu. In Maßen. Und Diversifikation in Sachen Standbeine auch. Aber in erster Linie mal meine Frau und meine Kinder. Der Rest ist zum Glück nicht ganz so wichtig…

Den Nachwuchs auf Augenhöhe bringen

Auf Augenhöhe zu agieren, seinen Kunden zu beraten – das ist aus meiner Sicht notwendige Voraussetzung für eine fruchtbare Kunde-Agentur-Beziehung. Voraussetzung für die Lust und den Antrieb, eine wirklich gute Dienstleistung abzuliefern. Und damit Voraussetzung für eine gute Agenturleistung, die sich sehen und messen lassen kann. Aus der Froschperspektive agiert es sich auf Dauer nicht ohne Nackenschmerzen…

Doch wie geben wir dem Nachwuchs nicht nur diese Einsicht, sondern auch die Haltung, um Kunden auf Augenhöhe gegenüber zu treten? Und somit die Grundlage für einen Weg durch diese Branche, der dazu geeignet ist, mit Bestleistungen wieder für eine Vorreiterrolle zu sorgen. Also die Rolle, die wir uns alle (zurück-) wünschen, die wir immer wieder für uns in Anspruch nehmen, aber immer seltener zu Recht.

In erster Linie mal, indem wir neugierig sind. Neugierig auf diejenigen, die da in den Startlöchern scharren, um sich einzubringen, etwas zu bewegen, zu erreichen, Dinge zu denken, möglichst neu und ohne die Scheuklappen der jahrzehntelangen Berufserfahrung. Dazu braucht es Lust auf Bewegung. Lust auf Herausforderung. Und die Bereitschaft, nicht nur hinzuschauen, sondern auch Neues zu lernen. Und Altes weiterzugeben. Wohlwollend und nicht von oben herab. Sanft und ohne die üblichen Schmerzen des Kantenabschlagens.

Wer dazu nicht in der Lage ist, sollte vom Nachwuchs möglichst fern gehalten werden.

Und dann gibt es aus meiner Sicht (und Erfahrung) auch noch einen anderen wichtigen Aspekt: Wertschätzung, die fassbar wird. Also z.B. auch in Form von anständiger Bezahlung, vernünftiger Einteilung von Arbeitszeiten, reflektierter Rückmeldung und konkreter inhaltlicher Förderung statt lapidarer Nutzung billiger Arbeitskraft.

Nur wer dem Nachwuchs auf Augenhöhe begegnet, bringt diesen wirklich weiter. Und sorgt somit langfristig dafür, dass Kunden auch auf eben dieser Höhe begegnet wird. Und das sorgt – zumindest aus meiner Sicht – dann auch für bessere Ergebnisse in der Zusammenarbeit zwischen Kunde und Agentur…