Kreation und Media – wo hat der Frosch die Locken?

Ja, das wäre mal ein echter Kracher in der Branche! Wenn einfach jemand auf die Idee käme, Kreation und Media wieder zusammenzuführen. Ohne Rücksicht auf die Pfründe, die sich Mediaagenturen sukzessive seit 1972 gebastelt haben. Laut @ziesmannmedia hat damals Kai Hiemstra mit Gründung der HMS die bis heute gültige Trennung „verbrochen“. Und richtig, seitdem haben sich die Mediaagenturen als überaus kreativ erwiesen. Leider nicht immer nur in der Mediaplanung, sondern immer mehr in der „Umleitung“ von Geldströmen ihrer Kunden in die eigene Tasche. Ich weiß, das ist ein bisschen sehr einfach dargestellt, aber im Kern steckt sicher Einiges an Wahrheit dahinter.

Nun frage ich mich, ob es nicht eine prima Idee wäre, das Ganze wieder einmal umzupflügen. Und Kreation und Media in einer Agentur zu verschmelzen. Ui und aua! Höre ich da die Investoren und Shareholder schreien. Wie jetzt? Die ganzen schönen, intransparenten Modelle der Verschleierung und Doppelt- bis Siebenfachschröpfung mit einem Schlag aufbrechen? Den Kunden wieder verstehen lassen, wo sein schönes Geld bleibt und warum? Plötzlich zu Gunsten sinnvoller Kommunikation mal wieder darüber nachdenken, wie und wo und auf welchem Kanal welche Idee am besten platziert wäre? Und zwar am besten, um die Kommunikationsaufgaben des Kunden zu erfüllen. Nicht am besten, um die größtmögliche Rendite zu erzielen. Geldflüsse abzugraben. Sich das fetteste und sahnereichste Stück vom Kuchen zu sichern.

Vielleicht ist das ein wirklich naiver Gedanke. Aber ganz ehrlich: Ich bin fest davon überzeugt, dass die Agentur, die genau das einfach und konsequent umsetzen würde, die erfolgreichste Agentur der nächsten Jahre oder Jahrzehnte wäre. (Na ja, wenn sie die Mediaplanung richtig machte. Und wirklich gute Kreation schaffte, dann aber wirklich!).

Tja, bleibt ein kleines Restproblem: Wer (oder welche Agentur) ist dazu in der Lage, richtig gute Kreation mit richtig guter Mediaplanung zu kombinieren? Wer traut sich das zu? Und wer hat den Mut, sich hier an vorderste Front zu begeben?

Lust hätte ich ja. Eine kreative Agentur habe ich kürzlich gegründet. Den Part nehme ich als möglich für mich in Anspruch. Aber den anderen, genau so wichtigen Part kann ich nicht bieten. Zumindest nicht guten Gewissens. Mal abgesehen davon, dass mir die finanziellen Mittel bzw. die (überraschend doch interessierten) Investoren im Rücken fehlen, um die verkrusteten Strukturen hierzulande herauszufordern.

Schade…

PS: Dieser Gedanke hat schon eine kleine, inspirierende Diskussion (bzw. eher Konsenssammlung) mit @ziesmannmedia und @ufomedia bei Twitter erzeugt. Wie immer!

PPS: Mich in Zukunft noch stärker mit Media zu befassen, ist als Ziel mal wieder gestärkt.

PPPS: Nur nebenbei: Die Kreativagenturen haben sich seit der Trennung auch nicht sehr mit Ruhm bekleckert. Der Mediapart u.a. auch als Korrektiv für absurde Ideen wäre für den einen oder anderen auch ganz heilsam…

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