Grüße aus Absurdistan!

Wenn man wie ich nun schon seit 17 Jahren in so ziemlich ein und derselben Branche unterwegs ist, hat man schon eine Menge erlebt. Eine Menge Komisches und Merkwürdiges. Blödsinniges und völlig Unlogisches. Blauäugiges und Unverschämtes. Aber, siehe da: Es gibt doch immer noch Potenzial für Überraschung aus dem schönen Lande Absurdistan!

So zum Beispiel heute gerade wieder. Wie jeder auch nur halbwegs Interessierte an dem Thema wissen sollte, gibt es in unterschiedlichen Medien auch unterschiedliche Farbmodelle, subtraktive und additive, z.B. CMYK und RGB. Für die, die es nicht wissen: CMYK ist das gängige Modell für Printproduktion, RGB das Modell für den digitalen Bereich. Und diese beiden schließen sich nun einmal aus! Es gibt keinen funktionierenden Offsetdruck, der RGB-Daten nutzt. Und es gibt keine verbindliche Bildschirmanzeige auf Basis von CMYK-Daten! Wenn man von dem einen Modell zum anderen wechseln muss, weil man das Medium wechselt, bedeutet dies eine Umwandlung, die z.B. Bildprogramme nach bestimmten genormten Parametern vornehmen.

Nun, wenn man das nicht weiß – so wie ich vor 17 Jahren – dann ist das ja nicht schlimm. Man kann das ja erfragen, bei Wikipedia mal nachlesen, sich erklären lassen. Schlimm wird es erst, wenn sich vollständige Ahnungslosigkeit mit Sturheit, Verbohrtheit, Penetranz paart, um Menschen auf den Sack zu gehen, die gerade versuchen, etwas auf die Beine zu stellen!

RGB-Daten sehen am Bildschirm anders aus als CMYK-Daten. Punkt.

Nun habe ich aber heute einen Abstimmungspartner für eine Online-Grafik, der darauf besteht, zwecks Einhaltung der Farbverbindlichkeit doch bitte ausschließlich die CMYK-Daten zu benutzen. Der darauf folgende Dialog ist in etwa wie an einer Tankstelle mit Service:

„Bitte einmal Super volltanken.“ „Aber Ihr Wagen ist ein Diesel…“ Ja, und ich hätte gern einmal Super, bitte. Tanken Sie ruhig voll.“ „Aber mit Super wird Ihr Wagen nicht lange fahren können.“ „Aber mein Chef hat gesagt, dass ich ausschließlich Super tanken soll. Dann möchte ich bitte auch Super, sonst bekomme ich Ärger. Bitte tanken Sie voll.“ „Aber meinen Sie, Ihr Chef wird fröhlich sein, wenn Sie mit einem Motorschaden zurückkommen?“ „Das ist mir völlig egal, ich will Super!!!“

Jetzt kann man sich als Tankwart überlegen, ob man die Dreckskiste bis unters Dach mit Diesel vollschlaucht. Oder ob man sich weigert, den Tank zu füllen.

Was würdest Du als Tankwart machen?

2 Gedanken zu “Grüße aus Absurdistan!

  1. Zum Wertvollsten meiner Selbstständigkeit zähle ich mitunter die Freiheit, nach eigener Überzeugung beraten und agieren zu dürfen. Als Angestellte von Agenturen stand oftmals kurzfristiger Kundenfrieden vor langfristigem Markenglück. Anweisung von Chef! Heute bin ich mein eigener Chef und berate mich einzig mit meinem Gewissen. Und das steht auf der Seite der Marke. Hat mich in meinen 10 Jahren Freelancer-Dasein drei Kunden gekostet. Und ich bereue nichts. 🙂

    • Hallo Daniela,
      genau aus diesem Grund arbeite ich auch aktuell daran, die Freelancer-Tätigkeit in Agenturen sukzessive noch weiter herunterzufahren. Denn, richtig: Erst wenn man nur noch dem eigenen Gewissen gegenüber Verantwortung übernehmen muss, kann man wirklich aufrecht in dieser Branche unterwegs sein. Und sich dann selbst entscheiden, ob man Ausflüge nach Absurdistan mitmacht – oder eben nicht. Die Erfahrung zeigt auch mir: Wer in der Lage ist, dem Kunden auch zu sagen, was Bullshit ist, der ist am Ende der bessere Berater. Und die Kunden, die sich verabschieden, verbrauchen dann keine Kapazitäten mehr, die man anderen, besseren Kunden zuwenden kann…
      Herzliche Grüße aus Hamburg!
      Matthias

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