Traurig und gut für ein bisschen Wut!

Seit 1995 arbeite ich nebenberuflich als Dozent an einer privaten Akademie für Kommunikationsdesign. Und seit 1995 mache ich das extrem gern, weil es mein Berufsleben sehr bereichert!

Natürlich: In all den Jahren habe ich auch eine Menge an Studenten in meinen Kursen gehabt, die mich innerlich oder sogar äußerlich haben die Augen verdrehen lassen. Aber es waren immer auch Studenten dabei, die Spaß gemacht haben. Weil sie neugierig waren. Weil sie etwas lernen wollten. Dafür etwas investieren wollten, Zeit, Hirnschmalz, Fleiß und Neugierde. Und das waren dann die, die ich gespannt beobachtet habe. In denen ich die Zukunft meiner Branche gesehen habe. Die Veränderungen in dieser. Oft die Verbesserungen.

Im Gegenzug haben mich all meine unzähligen Unterrichtsstunden nicht nur immer wieder gefordert, hellwach zu sein, schnell zu denken und spontan kompetent zu reagieren. Sie haben mich außerdem gelehrt, wie es ist, ständig „an Bord“ sein zu müssen, auf Anforderungen zu reagieren, die manchmal plötzlich und aus heiterem Himmel auf einen herunterregnen. Und sie haben mich gelehrt, keinen Blödsinn zu erzählen, denn die Verantwortung für weitergegebenen und qua meiner Position mir geglaubtem Blödsinn wollte ich nie übernehmen.

So weit, so gut. So eine Art Liebesbeziehung zu einer wunderbaren Nebentätigkeit also…

Nur jetzt, nach nunmehr 17 Jahren, gibt es Anlass, ein bisschen wütend zu sein. In jedem Fall aber ziemlich traurig. Denn es scheint so zu sein, dass in diesem Jahr endgültig nicht mehr genügend Studenten zusammen kommen, um ein neues Semester zu bilden, das ich unterrichten könnte. Ach, schade das…

Und ärgerlich – jetzt kommt langsam der wütendere Teil – denn so weit hätte es nicht kommen müssen. Denn die schlechten Zahlen liegen mit Sicherheit nicht am grundsätzlichen Unterrichtskonzept. Sicher auch nicht am Dozentenkollegium. Aber ganz, ganz sicher an jahrelangem Missmanagement! So stellt es sich zumindest für mich dar. Über Jahre hat nur der spitze Bleistift regiert, der in erster Linie rot durch die Akademie strich und überall dort Unheil anrichtete, wo Inspiration und Kreativität wichtiger gewesen wäre als krude Quartalszahlen. Aber wer ist ernsthaft überrascht, wenn ein Laden, der wie ein uninspiriertes Einzelhandelsunternehmen, sprich kleinkrämerisch, geführt wird, nicht mehr im Mindset derer zu verankern ist, die antreten, um morgen die kreativen Kommunikationsarbeiter zu sein, die den Ton angeben in einer Branche, die tunlichst dafür sorgen sollte, sich künftig wieder stärker vom Regiment der eindimensionalen Zahlenreiter zu emanzipieren?

Schade – und jetzt kommt wieder der eher traurige Teil – ich hätte sehr gern noch etwas länger an der Ausbildung derjenigen mitgeschraubt, die morgen und übermorgen dafür sorgen sollen, dass meine Branche wieder ganz weit vorn mitspielt. Aber es sieht momentan nicht so aus, als würde es einfach weitergehen können…

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