Eine fast vergebliche Suche nach Qualität

Letzte Nacht bin ich von einer knapp einwöchigen Reise nach Hause zurückgekehrt, die in Sachen Qualität fast zu einem vollständigen Desaster geworden wäre, und das kam so…

Etwa acht Jahre nach unserer Hochzeit stand zum ersten Mal wieder ein Kurzurlaub mit meiner Frau an, den ich nur mit ihr und ohne Kinder verbringen durfte, denn die Mädchen sollten eine Woche mit ihrer Großmutter auf dem Bauernhof verbringen. Und der liegt am Bodensee. Also erkoren wir uns als Ziel das nahe liegende Allgäu. Zum Wandern. Und um die gute bayerische Küche zu genießen. Knödel, Knödel, Knödel. Kartoffel-, Semmel-, Marillen-, Hefe- usw., wie ich in meiner grenzenlosen Naivität und ob meiner offenbar mangelnden Kenntnisse der regionalen Küche hoffte. Klar, Kässpatzen – auch gern. Und Wild, nicht ganz abwegig in dieser Jahreszeit. Viel wichtiger war dabei ja auch das Kriterium Qualität. Einfach ehrliche Küche, aus Tradition und mit guten Zutaten geboren.

Pustekuchen!

Egal, ob im 4-Sterne-Wellness-Hotel, auf der Almhütte, im Dorfgasthof oder wo sonst auch auf dem Weg: Überall traf ich nur auf den Ausdruck schlimmer Verkümmerung der kulinarischen Genüsse. Schnitzel vom Schwein mit Pommes ist so ziemlich überall das, was den Gastwirten einfällt, wenn sie über das Flaggschiff ihrer Speisekarte sinnieren.

Und da ist es mir wieder klar geworden: Wenn es eine gefühlte Höchstpreisgrenze gibt, die möglichst auf Discounter-Niveau liegt, muss man eben große Kompromisse eingehen. Denn leider werden viel zu oft die Attribute „viel“ und „gut“ verwechselt. Wahrscheinlich ist das zu einem großen Teil auch eine Generationensache. Für meine Großeltern war das wichtigste Kriterium für einen gelungenen Restaurantbesuch, dass sie nicht in der Lage waren, den Teller leer zu essen…

Und da schließt sich für mich der Kreis von diesem etwas abseitigen Beitrag zu meinem eigentlichen Thema: guter und sinnvoller Kommunikation. Werbung, die nicht nur lästig ist. Marke, die geführt wird – und zwar richtig.

Auch da ist nicht richtig, dass „viel“ viel hilft. Auch da kommt es darauf an, dass die Zutaten richtig gewählt sind. Dass nicht auf das nächst liegende Einerlei gesetzt wird. Dass nicht das Ursprüngliche zu Gunsten des Billigen gestrichen werden muss.

Können wir einfach mal wieder Halt machen und nochmals darüber nachdenken, ob wir uns auch in Sachen Kommunikation immer weiter in Richtung Schnitzel/Pommes bewegen wollen? Damit unsere mittlerweile geschmacksneutralisierten Lederzungen nicht in ihrer Lethargie gestört werden?

Ich jedenfalls will wieder mehr Knödel sehen. Oder Birnen, Bohnen und Speck, je nachdem, wo ich gerade Kurzurlaub mache…

PS: Zum Glück konnte ich mich dann doch noch aus der Schnitzelfalle befreien. Ich musste nur die Grenze zu Österreich überschreiten, um eines der köstlichsten Wildgerichte mit den passenden Beilagen zu finden: Knödeln

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